Traditionelle abendländischen Medizin (TAM)

Unsere abendländische Kultur verfügt über ein Jahrtausende altes Wissen traditioneller Medizin und Heilmethoden. In ihrer Ganzheitlichkeit steht sie gleichwertig neben den fernöstlichen Heiltraditionen der chinesischen oder ayurvedischen Heilkunde. Im Unterschied dazu wurzelt die abendländische Medizin jedoch in unserer europäischen Kultur und nutzt v. a. die Heilpflanzen aus unserer Umgebung.

Die traditionelle abendländische Medizin geht zurück auf die Kräuterheilkunde und Natur- und Medizinphilosophie der griechischen und römischen Antike. Sie umfasst das alte Heilkräuterwissen der weisen Frauen und der Volksmedizin, die Lehren des Hippokrates und der Hildegard von Bingen sowie die Erkenntnisse vieler anderer Kräuterkundigen.

Die Traditionelle Abendländische Medizin in ihrer heutigen Form wurde vor allem von dem Arzt und Naturforscher Paracelsus entwickelt und geprägt. Gesundheit und Krankheit war für ihn ein multifaktorielles Geschehen, das in einem universellen Zusammenhang zu sehen ist und Körper, Seele und Geist betreffen.

Er beschrieb fünf unterschiedliche Ursachen von Krankheiten die er Entien nannte und in der Therapie berücksichtigt werden müssen. Diese sind 1. der Einfluss der Gestirne, 2. der Ernährung und Verdauung, 3. der Konstitution und Disposition, 4. das Unbewusste und die psychosoziale Situation und 5. Schicksal und Karma.

In der TAM wird von Gesetzmäßigkeiten ausgegangen, die für alle Ebenen im gesamten Kosmos gelten. Alles ist auf einer universellen geistigen Ebene miteinander verbunden. Der Makrokosmos der Planeten und Sternzeichen findet seine Entsprechung im Mikrokosmos der Menschen, Tiere, Pflanzen und Mineralien. Die von den Planeten verkörperten Qualitäten werden in uns, dem Mikrokosmos sichtbar und finden sich in unserem Wesen, unseren Organen und Organfunktionen und Krankheiten wieder. Diese Verwandtschaft und Verbundenheit ist eine Voraussetzung, um mit der Pflanze Mensch und Tier heilen zu können. Sie hat dadurch die Kräfte inne, die mit uns Lebewesen korrespondieren.

Außerdem werden die vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer und die Trinität von Körper, Geist und Seele, die in der TAM Sal - Merkur -und Sulphur genannt werden, als Grundlage für die Heilverfahren berücksichtigt.

Die allumfassende Verbundenheit mit den Planetenkräften zeigt sich als äußere Erscheinung besonders in den Pflanzen. Diese verfügen über eine Signatur, die von den Planeten oder göttlichen Kräften geprägt werden. Gerade die Signaturenlehre war für die Menschen schon seit jeher ein Weg der Heilmittelerkenntnis. Sie ist die Zeichensprache der Natur selbst. Über die Signatur der Pflanze, d.h., über ihre Erscheinung, ihr Aussehen, ihr Standort, ihr Geruch und viele anderer Zeichen mehr, werden Rückschlüsse auf ihre Heilwirkung gezogen. Sie weisen damit, im Sinne eines übergeordneten Heilsprinzip, auf ihre Heilwirkung hin.

Hierzu ein Beispiel:
Melisse, Baldrian und Goldrute werden u.a. aufgrund ihrer Signaturen, wie z.B. ihrer harmonischen Blattform, der Venus zugeordnet. Das bedeutet, dass sich die Venuskraft besonders in diesen Pflanzen zeigt. Die Venus regiert unsere Gefühle und unsere Libido. Sie ist der Planet der Liebe, Sinnlichkeit und Harmonie. Ihr geistiges Zentrum im Menschen ist die Niere. Die Niere ist unser Seelenorgan, die sämtliche emotionale Eindrücke verarbeitet. Sie wird auch Angstorgan genannt. Wenn uns etwas an die Niere geht, sind dies in der Regel Zustände, die uns emotional schwer belasten. Wenn sich solche Belastungszustände häufen, kann dies zu psychosomatischen Störungen wie Schlafprobleme, Allergien oder Herzrhythmusstörungen führen. Bei solchen Zuständen ist es in der TAM angezeigt, sowohl Pflanzen einzusetzen, die die Niere stärken wie Goldrute, aber auch Pflanzen die ausgleichend auf das Nervensystem wirken, wie Melisse und Baldrian.

Der traditionelle Weg der abendländischen Medizin, ein Heilmittel aus der Pflanze aber auch aus Metall und Edelstein herzustellen, beruht auf alchimistischen Prinzipien der Umwandlung. Die Alchemie ist eine uralte komplexe Wissenschaft, eine Lehre zur Selbst- und Naturerkenntnis. In naturwissenschaftlicher Hinsicht ist sie die Grundlage für die Chemie und Pharmakologie.

Ähnlich den Verwandlungsprozessen der Natur und deren Gesetzmäßigkeiten versucht die Alchemie diese Prozesse nachzuahmen und zu verfeinern um das Geistige in Pflanzen, aber auch in Mineralien und Metallen freizusetzen. Diese Form der Arzneimittelzubereitung in Form von Tinkturen nennt sich Spagirik. Zur Herstellung einer spagirischen Essenz werden die Pflanzen in Harmonie mit den kosmozyklischen Abläufen wie dem Stand von Sonne, Mond und Planeten geerntet und verarbeitet. Nach der Ernte wird aus der Pflanze mittels Destillation das ätherische Öl gewonnen. Danach wird der Rückstand der Pflanze einer Gärung unterzogen, dieser gegebenenfalls noch mal destilliert und danach verascht. Am Ende dieser Prozesse erfolgt die Vereinigung indem alle Bestandteile wieder zusammengeführt werden.

Die Spagirik bildet eine Brücke zwischen Pflanzenheilkunde und Homöopathie. Durch diese Zubereitungsform wird das Geistartige der Pflanze herausgelöst und dadurch verstärkt. Gleichzeitig werden aber auch die ätherischen Öle, pflanzeneigene Mineralstoffe und Spurenelemente und andere heilkräftige Pflanzensubstanzen gewonnen. Spagirische Arzneien werden als Einzel- oder Komplexmittel sowohl nach phytotherapeutischen Kriterien als auch nach homöopathischen Prinzipien angewandt.

Die traditionelle abendländische Medizin stellt somit eine komplexe Heilmethode dar, die vielfältige umfassende Verbindungen und Verknüpfungen bei der Behandlung von Krankheiten berücksichtigt und integriert.

 

Kontakt Naturheilpraxis Sigrun Specker